Ein Leben ohne Kreativität ist möglich, aber sinnlos.

Dr. Gerhard Huhn

Es geht darum, Kreativität in einen größeren Rahmen von Sinnhaftigkeit,  Stärken, Werten und Potenzialentfaltung zu setzen.  Auf den ersten Blick sieht es für viele ja nach einem Begriff aus, der nur in die Kunst und Kultur gehört.  Durch die Beiträge dieser Webseite soll der Zusammenhang zur Lebensgestaltung und alltäglichen Lebensbewältigung lebendig und ein tieferes Verständnis kreativer Prozesse möglich werden.

Warum kennen Computer keine Tränen? 

Warum ist der Mathematiker Archimedes nackt auf die Straße gerannt?

Warum müssen Sie wegen der Folgen der Digitalisierung keine Angst vor persönlicher Arbeitslosigkeit haben? (oder doch?)

Steckt in der Beantwortung dieser Fragen möglicherweise das Geheimnis der menschlichen Kreativität?

 

Hier der Grund, warum es eine Antwort auf diese drei so unterschiedliche Fragen gibt:

Entgegen der verbreiten Meinung, dass die künstliche Intelligenz (auch AI genannt) das wichtigste Zukunfts-Thema ist, möchte ich festhalten: Die Zukunft wird nicht aus Algorithmen gebacken sondern aus menschlichem Geist. 

Algorithmen können beschleunigen, vereinfachen und Fehler vermeiden helfen, aber sie können zwecks kreativer Lösungen keine unlogischen Sprünge über mehrere Ebenen hinweg machen und dabei Paradoxien erkennen, erzeugen und wertschätzen oder aus den aufblitzenden Assoziationen wieder etwas Brauchbares, NEUES gestalten. (siehe u.a. Dreyfus, Weizenbaum, Cicurel mit Nicolelis)

Computer können nicht über über Bisoziationen ins Lachen oder gar wie Archimedes bei seinem genialen Einfall in der Badewanne außer sich vor Freude geraten. Sie kennen auch keine Verzweiflung, Tränen und Depression, wenn trotz aller Bemühungen keine Lösung auftauchen will – bei Kreativen oft der Auslöser für den nachfolgenden Durchbruch zum Neuen. 

Computer können weder weinen noch lachen.

Sie mögen einen erheblichen Teil der Funktionen der sprachlich dominanten, sequenziell operierenden Großhirnbereiche übernehmen können.  Die für die individuelle Ideenfindung und Problemlösungen  ausschlaggebenden Erregungs-Impulse des Limbischen Systems (im Großhirn emotional differenziert und wahrgenommen), möglicherweise sogar Prozesse des Stammhirns, sowie die ganzheitlichen und nicht an die Gesetze der Logik gebundenen wilderen Gestaltungskräfte der stärker bildhaft, analog arbeitenden anderen Großhirnbereiche können nicht mit Algorithmen dargestellt werden. Im Gehirn verändern sich im Unterschied zum Computer die beteiligten Elemente und Abläufe sofort bei jedem Prozess aufgrund entsprechender Rückkoppelungsprozesse. Hoffnungen auf kreative Lösungen durch die Digitalisierung sind Illusionen. Die Digitalisierung stößt bei der Kreativität an ihre Grenzen.

Und was die Zukunft der Arbeit betrifft: 

Sobald Sie den Ruf gewinnen, ein kreativer Mensch zu sein, werden Sie zu denen gehören, die in Zukunft am meisten gesucht werden.

Kreativität gilt als die Schlüsselfähigkeit zur Bewältigung der Zukunft. Nicht ausreichend genutzte Ideenkraft, mangelnde Fantasie sind die Ursachen der meisten schwerwiegenden Probleme, sei es in Unternehmen und Organisationen, sei es privat. 

Wenn Sie sich die Menschen anschauen, die mit Algorithmen Milliardäre geworden sind, finden Sie u.a. heraus, dass Steve Jobs sein Studium abgebrochen und sich für Kalligrafie und Meditation begeistert hat, der Atari Gründer Nolan Bushnell auch als Erwachsener in erster Linie spielen wollte und die beiden Google Gründer Larry Page und Sergey Brin unter all den hochqualifizierten Bewerbern für den damaligen Posten des CEO von Google Eric Schmidt ausgewählt haben, weil er der einzige war, der wie die beiden Gründer ein Fan des jährlichen bizarren Burning Man Happenings in der Wüste von Nevada ist. 

Einfache Kreativitätstechniken allein helfen nicht viel weiter.

Kreativität ist kein einzelner, methodischer Akt. Gedanklich Neues zu schaffen ist eine Frage des Bewusstseins, der inneren Einstellung und des persönlichen Umgangs mit Fantasie, Irrationalem und Unlogischem. 

Es gilt, anders wahrzunehmen als gewohnt, Angst zu überwinden, mutiger zu sein und Begeisterung zu entwickeln. 

Nur wer sich als Teil der Welt empfindet, kann sich empathisch in evolutionäre Prozesse einfühlen und Wandel gestalten. 

Die Fragen eines Kindes stellen zu können, zu staunen und zumindest zeitweise zur bescheidenen Natürlichkeit zurück zu finden, kann weitaus stimulierender sein als auf Kennzahlen zu starren, um sie zu optimieren. 

Es wird zu viel Betonung auf das zielgerichtete, konvergente Denken gelegt und zu wenig auf das divergente, nach Vielfalt strebende.

Es kommt darauf an, offen zu sein für Einfälle, Eingebungen, Geistesblitze, für nicht Erklärbares. Es  bedarf einer inneren Gelassenheit. Manchmal hilft das Alleinsein, manchmal ist das Miteinander optimaler und so benötigen wir die Erkenntnismöglichkeit, uns  jeweils für eins von beiden entscheiden zu können. 

Kreativität hat zu tun mit der Bereitschaft, sich Ziele zu setzen und sie mit Commitment (dem inneren Verpflichtungsgefühl, eine Aufgabe auch wirklich zu bewältigen) und kraftvollem Willen zu verfolgen. Aber genauso wichtig ist die Fähigkeit loszulassen, zu spielen, zu fantasieren und letztlich ist das Schöpferische im Menschen sehr oft (oder immer?) eine Frage auch des Herzens, der Liebe, der Hingabe.

All das ist nichts für Algorithmen.

Kreativitätsforschung: von den Musen-Göttinnen der Antike bis zur Neuropsychologie heute

Es hat über die Jahrhunderte hinweg die unterschiedlichsten Vorstellungen über die Ideenfindung gegeben. Es war immer ein wichtiges Thema.

Schiller hat es als das »Schöpfungswerk der Seele« poetisch beschrieben, Nietzsche provozierte mit der Behauptung »Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären« und Einstein betonte, dass »Fantasie wichtiger sei als Wissen, denn Wissen sei begrenzt«

Im antiken Griechenland haben die Künstler auf den Kuss der Musen (der für sie zuständigen Göttinnen)  gehofft und Arthur Koestler hat seinem Buches über »den schöpferischen Akt in Kunst und Wissenschaft« den Titel »Der göttliche Funke« gegeben (und in ihm den Begriff »Bisoziation« verwendet, um das Spannung schaffende Zusammentreffen von zwei oder drei nicht zusammen passenden Assoziationen zu beschreiben, was dann im Moment der Pointe das befreiende Lachen auslöst).

Kreativität – eine Frage des Genies, der Begabung?

Mich hat das Phänomen der Kreativität beschäftigt und nicht mehr losgelassen seit ich 1968 in einer Buchhandlung in Stockholm die schwedische Ausgabe eines amerikanischen Buches entdeckte mit dem Titel »Kreativitet och Uppfinnings Förmöga« 

Zu meiner großen Überraschung wurde dort nicht nur behauptet sondern vielfach dargelegt, dass Kreativität kein exklusives Talent einiger weniger Genies ist, sondern in mehr oder weniger starker Ausprägung in jedem Menschen steckt.  Die Fähigkeit zur Ideenfindung lässt sich, einmal entdeckt, entfalten und verstärken. Dabei können die unterschiedlichen Methoden und Techniken helfen.

Dann hat aber eine vor Jahren im manager magazin veröffentlichte Untersuchung gezeigt, dass nur 1 % der Ideen beim Einsatz von Kreativitätstechniken gefunden wurden. Das statistisch magere Ergebnis sagt allerdings nichts aus gegen diese Techniken.

Meine eigenen Beobachtungen über ihre Verwendung in Unternehmen haben immer wieder gezeigt, dass sie in nahezu allen Fällen nicht fachgerecht eingesetzt oder umgesetzt wurden. Der karge Prozentsatz würde bei einer aktuellen Untersuchung vermutlich auch etwas besser ausfallen, da die Verwendung inzwischen auch etwas professioneller erfolgt und neue Methoden wie z. B. Design Thinking hinzu gekommen sind – Insgesamt aber bleiben die Ergebnisse doch in Relation zum Aufwand  dürftig.

Nun richten sich die Hoffnungen auf die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz (auch AI genannt). Immer raffiniertere Algorithmen sollen Lösungen hervorzaubern.

Angesichts der unkritischen Begeisterung für das Digitale möchte ich davor warnen, die Lösung in der Konzentration auf allmächtige Algorithmen zu sehen oder sich allein auf modernere Kreativitätsmethoden und -techniken oder entsprechende Prozesse zu verlassen. Hier wird der Zug mit erhöhtem Tempo in genau die verkehrte Richtung gesteuert.  

Heuristik vs. Algorithmen

Die Alternative zur algorithmischen Lösungsfindung wird mit dem etwas unbequemen Wort Heuristik beschrieben, einem eher intuitiven, schnellen Vorgehen durch rasches Einschätzen, Erkunden, Ausprobieren, bei dem das Erspüren, das sinnliche Wahrnehmen, emotionale Kräfte eine Rolle spielen, die Einsichten schöpfen aus dem unbewussten Zugang zu dem inneren Schatz an Wissen und Erfahrungen. 

Dem heuristischen Vorgehen fehlt die mathematische Sicherheit, es ist daher auch anfälliger für Fehler.

Sinnvoller als eine Diskussion, welche Vorgehensweise besser ist, wäre eine Integration beider:

Intelligenz und Intuition, Analyse und Imagination, Logisches und Paradoxes, Wissen und Ahnen, Erfahrung, und Inspiration, Fantasie und riskantes Erkunden des nicht Erprobten, Widersprüche und Gegensätze auszuhalten und zu integrieren – ist die Kunst des schöpferischen Geistes.

All das steckt in Dir! 

Und Du wirst es bereits etliche Male selbst erfahren haben. 

Das Geheimnis der Kreativität ist nach wie vor im Kern nicht entschlüsselt. Aber wir wissen heute eine Menge mehr als vor 20, 30 Jahren, was die Ideenfindung fördert und was sie behindert. Allein dieses Wissen richtig zu nutzen kann Deine beruflichen wie privaten Möglichkeiten enorm erweitern.

Die kreativen Ressourcen nutzen lernen

Jetzt kannst Du diese letztlich unerschöpfliche Ressource der persönlichen Kreativität bewusst einsetzen und verstärken.

Dir dabei Anregungen, praktische Tipps und Inspirationen zu geben will sich diese Website widmen. Herzlich willkommen, denn:

Ein Leben ohne Kreativität ist möglich, aber sinnlos.